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Birkhuhn in der Rhön – Wer das Flaggschiff rettet, rettet die Rhön

von Anna Müller

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Birkhuhn in der Rhön – «Ein Auto voller Hühner.» Torsten Kirchner ist glücklich, als er aus Schweden zurück in der Rhön ist. «Wir waren sehr erfolgreich», erzählt der Biologe und Gebietsbetreuer des Hochplateaus namens Lange Rhön. 10 Birkhähne und 14 Birkhennen haben Kirchner und sein Team im Frühjahr in der etwa 2000 Kilometer entfernten schwedischen Wildnis gefangen. In der Rhön, einem Mittelgebirge zwischen Bayern, Hessen und Thüringen, sollen sich die Tiere nun mit heimischen Exemplaren paaren.

Im Biosphärenreservat ist es um die Bestände bestimmter Arten seit Jahrzehnten schlecht bestellt. Der Auerhahn und der Kiebitz sind bereits verschwunden. Auch die Zahl der Birkhühner schrumpft seit Ende der 1970er Jahre immer weiter, wie Kirchner sagt. Das sei alarmierend auch mit Blick auf andere Tier- und Pflanzenarten des rund 3000 Hektar großen Hochplateaus. «Das Birkhuhn ist das Flaggschiff, eine sehr empfindliche Art.» Gehe es dem Birkhuhn schlecht, sei das bald danach auch bei anderen Arten so.

Birkhühner sind etwa so groß wie Haushühner – und ein Hingucker. «Das Birkhuhn ist eine sehr attraktive und auffällige Art», sagt Kirchner. Die dunklen Hähne besitzen zwei rote Balzrosen am Kopf und krummes Gefieder am Hinterteil. Hennen tragen ein bräunliches Federkleid. Global gesehen ist das Birkhuhn nicht bedroht – in der Rhön schon. Ob die Arbeit für das Birkhuhn dort erfolgreich sein wird, ist dem Tierökologen Jörg Müller von der Universität Würzburg zufolge unsicher: Es gebe nur noch sehr eingeschränkt geeignete Lebensraumfläche für die Art.

Die Wildland-Stiftung Bayern des Bayerischen Jagdverbandes, die Kirchner beschäftigt, ist um viele Arten der Gegend besorgt: Ihr Lebensraum wird immer kleiner, es gibt mehr Fressfeinde und der Mensch ist omnipräsent. Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben der Rhön GmbH-Gesellschaft für Tourismus und Markenmanagement mehr als 900 000 Menschen in der Rhön an. «Vor der Corona-Pandemie wurden 2018 und 2019 über 1,6 Millionen Ankünfte erfasst», heißt es im aktuellen Bericht der Jahre 2018 bis 2021.

Biologe Kirchner bittet Touristen, den Lebensraum der Tiere zu respektieren. Die Corona-Pandemie habe das Problem mit Fehlverhalten noch verschlimmert. «Jetzt stehen Zelte in der Landschaft, es wird der Grill mitgebracht, es wurde in Corona-Zeiten sogar die Stereoanlage ausgepackt. Es wurde der Ballermann auf die Hochrhön verlegt.»

Aus seiner Sicht sollte es Übernachtungsverbote auf den Parkplätzen geben – für zumindest stundenweise Ruhe im Reservat. Schneeschuh-Wandern würde Kirchner ebenfalls untersagen, weil das oft außerhalb der präparierten Pisten und Wege passiere – angesichts der schieren Masse an Wanderern eine Katastrophe für die Tiere, die gerade im Winter sehr mit ihrer Energie haushalten müssten. (dpa)

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