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Mit Kajak oder E-Bike Kapstadts wilde Seite kennenlernen

von Anne von Heydebrand

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Die Halbinsel am Kap der Guten Hoffnung ist ein Paradies für Wassersportler und Naturfreunde. Ein Ortsbesuch bei gebeutelten Pinguinen, knutschenden Seebären und diebischen Pavianen.

Flach wie ein Spiegel liegt die False Bay an diesem Wintermorgen vor Kapstadts südlichstem Vorort Simon’s Town. Es ist windstill, die Sonne sorgt bereits für T-Shirt-Temperaturen.

«Nicht der allerschlechteste Tag für einen Ausflug aufs Meer», sagt Derek, der sich nur mit Vornamen vorstellt. Seit 20 Jahren bietet er Kajaktouren in der Bucht an. Zumindest an Wochenenden hat er auch in Pandemie-Zeiten genügend Kundschaft. 16 Gäste steigen an diesem Samstag in die Zweier-Kajaks, um Tiere zu beobachten, die manch einer in Afrika vielleicht gar nicht erwarten würde.

Unverhoffte Begegnung mit einem Wal

Nach einem kurzen Sicherheitsbriefing paddelt die Gruppe hinaus aufs Meer, vorbei an luxuriösen Jachten im Hafen von Simon’s Town und Fregatten der benachbarten Marinebasis. In drei wendigen Einer-Booten begleitet Derek mit zwei Kollegen die Tourgäste, die schon bald gigantische Gesellschaft bekommen: Ein Buckelwal taucht ein paar Hundert Meter hinter den Kajaks auf, um einmal tief Luft zu holen.

Derek muss lachen. Keine fünf Minuten zuvor hat er seinen Gästen noch erzählt, dass Walsichtungen zwar nie unmöglich, aber um diese Jahreszeit doch sehr selten seien.

Mit überraschendem Tempo schneiden die enorm stabilen Kajaks durch das absolut glatte Wasser. Derek steuert einen Felsen an, der gut 500 Meter vor der Küste aus dem Wasser ragt und einer offensichtlich wohlgenährten Robbe als sonniger Ruheplatz dient. Gleich daneben zelebriert deren potenzielle Beute im klaren Wasser unter den Booten die Abwesenheit des Räubers: Schwärme kleiner Seebrassen ziehen am steinigen Grund zwischen den Wasserpflanzen umher.

Die Hauptattraktion der Tour aber sind Vögel, die ebenso grazil schwimmen können wie die Fische: Brillenpinguine. Am Boulders Beach bei Simon’s Town hat die einzige Pinguinart des afrikanischen Kontinents eines ihrer letzten Refugien. Rund 2500 der schwarz-weiß gefiederten Tiere leben in der streng geschützten Kolonie, die zum Tafelberg-Nationalpark gehört.

Die Geschichte der Pinguine

Eine kleine Gruppe von acht Pinguinen schwimmt von den Kajaks unbeirrt gerade aufs Meer hinaus, eine zweite folgt wenig später. Auf die stacheligen Seebrassen haben es die fracktragenden Jagdpartien jedoch nicht abgesehen. Ihr Hauptfutter sind Sardinen. Veränderte Meeresströmungen und Überfischung haben allerdings dafür gesorgt, dass die Pinguine immer weitere Strecken zurücklegen müssen, was die Elterntiere entkräftet und die Versorgung der Jungtiere gefährdet.

Die Kajaks dümpeln sachte nebeneinander in Sichtweite der Pinguinkolonie über einem wahren Unterwasser-Wald aus Seetang. Währenddessen liefert Dereks Kollege Brian einen ebenso spannenden wie ernüchternden Abriss der Geschichte der Pinguine.

Zwei bis vier Millionen Jahre lang brüteten die flugunfähigen Vögel relativ ungestört auf den kleinen Eilanden vor der südafrikanischen und namibischen Küste. Um 1900 soll ihr Bestand noch bei drei bis vier Millionen Tieren gelegen haben. Heute hat die Art gerade noch 36 000 lebende Vertreter. Von den kleinen Inseln wurden die Pinguine verdrängt, weil der Mensch ihnen mit dem Guano-Abbau das Baumaterial für ihre Nester nahm – und dann auch noch die Eier raubte.

Allein auf Dassen Island, einer Insel etwa 80 Kilometer nordwestlich von Kapstadt im Atlantik, wurden zwischen 1900 und 1930 insgesamt 13 Millionen Eier eingesammelt. Die Pinguine zogen sich von den meisten Inseln aufs Festland zurück, wo sie Raubtieren relativ schutzlos ausgeliefert sind. Und dann liefert Brian noch eine Anekdote über das Apartheidsregime: Noch bis 1968 habe die Kantine im südafrikanischen Parlament in Kapstadt Omelette aus Pinguineiern serviert.

Inzwischen stehen die Vögel ebenso wie weite Teile der Kaphalbinsel und sämtliche küstennahen Meeresgebiete unter dem Schutz des Tafelberg-Nationalparks. Längst hat sich in Kapstadt die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Tiere in der spektakulären Wasserwelt rund um die Metropole lebend deutlich wertvoller sind.

Davon profitieren auch die Robben, die sich ein paar Kilometer westlich des Fischerhafens von Hout Bay auf den wellenumtosten Felsen von Duiker Island eingefunden haben. 3000 südafrikanische Seebären drängeln sich auf dem kleinen Eiland, das ihnen gleichzeitig als Aufzuchtort ihrer Jungen dient.

Auf Schnorcheltour mit Robben

Beobachten lassen sich die bis zu 300 Kilogramm schweren Robben nicht nur vom Boot aus, sondern auch auf geführten Schnorcheltouren.

Die beiden Guides Jami Marnitz und Sam Sivewright lassen ihre Gäste dazu in fünf Millimeter dicke Neoprenanzüge plus zusätzlicher Neoprenweste schlüpfen, deren Sinn sich nach dem Sprung in das etwa zwölf Grad kalte Wasser des Atlantiks sofort erschließt.

Sobald der erste Kälteschock überwunden ist, durchflutet eine seltsame Wärme den Körper. Die Aufmerksamkeit gilt ohnehin schon längst den verspielten, neugierigen und dabei torpedoschnellen Seebären. Immer wieder schießen die Tiere bis kurz vor die Taucherbrille. Sie halten auch mal kurz inne, um die seltsamen Eindringlinge zu beäugen und drehen dann elegant wieder ab.

Am großartigsten, erzählt Jami, ist das Erlebnis im März und April, wenn die Jungtiere anfangen zu schwimmen. Spannend sei auch die Paarungszeit im Oktober und November. «Die küssen sich schon ziemlich ausgiebig und führen ihre intimen Tänze auf», erklärt sie.

Erkundungen mit elektrischer Unterstützung

Auch an Land hat das Kap einiges zu bieten. Auf einer geführten E-Bike-Tour lässt sich der Abschnitt des Nationalparks an der südwestlichsten Spitze Afrikas erkunden. Naturnah und dennoch relativ bequem. Guide Eduard Snyman steht dazu ein paar Kilometer südlich von Simon’s Town pünktlich bereit, am Eingangstor der Cape-Point-Sektion. Auf zwei Rädern geht es von dort zunächst auf der Asphaltstraße ans Kap der Guten Hoffnung, wobei schon der Weg ein lohnendes Ziel ist.

Über schroffe Klippen fällt die Küste hier nach Osten größtenteils steil in die False Bay ab, während sich zur Westküste des Atlantiks hin weite, flache Ebenen erstrecken. Am Wegesrand wachsen prächtige Zuckerbüsche. In der Strauchlandschaft grasen bis zu eine Tonne schwere Elenantilopen und kleinere Buntböcke, die sich von den radelnden Besuchern kaum beirren lassen.

Ein Straußenweibchen wähnt sich zwar einen Moment lang ohne Ausweg und rennt vor den Radlern die Straße entlang. Letztendlich merkt der Laufvogel aber, dass er sich seiner Verfolger mit einer Abbiegung in die Büsche entledigen kann.

Kurz vorm Kap vollführt ein Straußenmännchen dann einen seltsam anmutenden Tanz, bei dem es die Brust fast über den Boden schleift und mit den Flügeln wellenförmig rudert. «Das ist ein Paarungstanz», klärt Eduard auf. Der Strauß wolle so bei den Damen Eindruck machen. Noch schlägt dieser Plan aber offensichtlich fehl. Das Weibchen hat sich längst zur Flucht entschieden.

Nur ein paar Touristen – aber freche Affen

An der hölzernen Namenstafel mit den Koordinaten des Kaps haben sich tatsächlich ein paar Touristen eingefunden. An dieser Stelle warteten vor Corona Menschen aus aller Welt in langen Schlangen darauf, ihr obligatorisches Erinnerungsfoto zu schießen. Heute stehen immerhin fünf Autos hier. «Man freut sich richtig, mal wieder andere Guides zu sehen», sagt Eduard. «Wir kennen uns zwar kaum, aber letztlich sind es ja doch Kollegen, die man nun ewig nicht gesehen hat.»

Unterstützt vom leise surrenden Elektromotor geht es weiter, die nun kurvenreiche Straße zum Cape Point hinauf. Hoch oben auf den steilen Klippen dient der alte Leuchtturm noch immer als Postkartenmotiv. Mit 238 Metern über dem Meeresspiegel erwies sich sein Standort am oft von dichtem Nebel verhüllten Kap jedoch als unpraktisch. 1919 wurde deshalb ein neuer Leuchtturm errichtet, näher an der Spitze der Halbinsel, die auch als Kap der Stürme bekannt ist.

Der Souvenirladen ist noch immer geschlossen, kaum Besucher. Direkt davor hat ein Pavianweibchen ein argloses Urlauberpärchen ins Visier genommen und deren Proviantbeutel erbeutet. Eduard Snyman hat vor den diebischen Affen gewarnt und muss sich nun ein Lachen verkneifen. Er habe schon miterlebt, wie ein Pavian einem Gast erst die Pizza abnahm und dann zurückkam, um auch noch die Cola-Dose zu klauen. Beides zusammen genoss das Tier dann sozusagen als Menü.

Da diese Ernährungsweise auch für Affen problematisch ist, dürfen die Tiere unter Strafandrohung nicht gefüttert werden. Allerdings gehen sie selbst nur allzu gerne auf Beutezug.

Der Vorzug der Radtour ist, dass sie sich den Touristen-Hotspots immer wieder rasch entziehen kann. Der Rückweg führt über eine alte Jeep-Spur durch die Fynbos-Landschaft, das kleinste Florenreich der Erde. Die blühenden Sträucher sind dabei förmlich zu riechen.

Wer noch tiefer in diese Welt eintauchen will, kann fernab der Hauptbesucherströme direkt an der Westküste im Park übernachten. Zwar ist ein funktionierender Warmwasserboiler in der Unterkunft offensichtlich Glückssache. Die zum Tagesende hin vollkommen menschenleere Landschaft und der Sonnenuntergang an der Kapküste entschädigen dafür aber reichlich.

Über Kapstadt

Klima und Reisezeit: Die Südhalbkugel-Sommer von November bis März sind trocken und warm, im Winter von Mai bis September wird es vor allem nachts teils empfindlich kalt.

Anreise: Lufthansa fliegt ab Frankfurt nonstop nach Kapstadt

Einreise und Corona-Lage: Ein Touristenvisum für Südafrika wird bei der Einreise kostenlos ausgestellt. Reisende über fünf Jahre brauchen einen negativen Corona-Test (PCR), der nicht älter als 72 Stunden sein darf. Weitere Infos unter anderem beim Auswärtigen Amt. Südafrika ist derzeit Hochrisikogebiet mit Reisewarnung.

Übernachtung: Selbstversorgerwohnungen in Simon’s Town kosten umgerechnet um 60 Euro, das «Olifantsbos Guest House» im Nationalpark ist ab 240 Euro (für vier Gäste) zu haben.

Geld: Ein Euro entspricht aktuell etwa 17 südafrikanischen Rand. Zahlung mit Kreditkarte ist üblich, Bargeld an Bankautomaten einfach erhältlich. Der Tafelberg-Nationalpark akzeptiert kein Bargeld.

Gesundheit: Die Kapregion ist kein Malaria-Gebiet, besondere Gesundheitsvorkehrungen sind nicht nötig. (dpa)

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