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Pläne auf Rügen sorgen für Diskussionen – So soll es weitergehen auf der Halbinsel Bug

von Anne von Heydebrand
Rügen - Photo by Sascha Lichtenstein on Unsplash

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Eine malerisch gelegene Landzunge auf Rügen träumt seit der Wende den Dornröschenschlaf. Dabei gibt es seit fast 20 Jahren Bebauungspläne. Befürworter sehen Chancen für eine strukturschwache Gegend. Für Kritiker hat die Entwicklung auf der Insel die Pläne überholt.

Kormorane statt Urlaubsgäste – auch mehr als zwanzig Jahre nach dem Verkauf des ehemaligen Marinegeländes auf der Halbinsel Bug im Nordwesten Rügens ist von den hier geplanten 2000 Gästebetten nichts zu sehen. Während es auf der Landzunge ruhig ist, sorgen die Pläne für das Areal immer wieder für Diskussionen.

Seit 2003 gibt es zwei bis heute gültige Bebauungspläne. Vorgesehen sind auf 225 Hektar etwa Ferienwohnungen, vier Hotelanlagen unterschiedlicher Standards und eine Marina. Architekt Tom Krause spricht von einem Vorzeigeprojekt im ganzen Baltikum. «Vielleicht darüber hinaus.» Geschätztes Investitionsvolumen: 580 bis 650 Millionen Euro, je nach Umsetzung.

Das Besondere dabei sei die Breite der Angebote: Beherbergung, Gastronomie, Clubs, ein kleines Kino, ein Fischerdorf, eine Künstlerkolonie, verschiedenste Sportangebote bis hin zu einem Reiterhof und Lehrpfade im Wald solle es geben. Nicht zu vergessen die fast sechs Kilometer langen Uferzonen teilweise mit Stränden. Ein Resort nennt Krause das. Davon gebe es in Deutschland nur sehr wenige.

Die Gemeindevertretung von Dranske befürworte die Pläne schon seit 20 Jahren, sagt der Bürgermeister Lothar Kuhn (parteilos). Es sei versprochen worden, dass auch die Gemeindemitglieder die touristischen Anlagen nutzen können. Hinzu kommt die Aussicht auf Gewerbesteuereinnahmen und Arbeitsplätze. Mit der Auflösung des Flottillenstützpunktes auf dem Bug 1990 verloren rund 3000 Militärangehörige sowie Zivilangestellte ihren Job. Die Einwohnerzahl von Dranske ging von 3700 im Jahr 1989 auf heute rund 1100 zurück.

«Wir rechnen mit 380 festen Arbeitsplätze. Und dann kommen in der Hochsaison vielleicht noch 200 bis 250 dazu», sagt Krause. Ein Personaldorf für 300 Bewohner, darunter auch Familien, sei vorgesehen, inklusive Ausgeh- und Einkaufsmöglichkeiten, ein kleines Kino, ein Bistro und ein Fitnessbereich. Ebenso sei eine Hotelfachschule geplant, die Lehrlinge von ganz Rügen nutzen können.

Doch es regt sich Widerstand. «Wir brauchen keine weiteren Betten mehr auf Rügen», sagt Marlies Preller von der Bürgerinitiative Lebenswertes Rügen. In den Badeorten im Ostteil der Insel gebe es bereits bis zu sieben Gästebetten pro Einwohner. Der Westen der Insel sei zwar noch nicht so überlaufen. Mit dem Resort würde man allerdings Verkehr dorthin lenken. Sie plädiert für behutsameren Tourismus.

Nach Schätzungen des Tourismusverbands Rügen gibt es einschließlich statistisch nicht erfasster Betten bis zu 100 000 Schlafgelegenheiten auf der Insel. «Wir möchten neue Projekte nicht grundsätzlich verteufeln.» Da das Baurecht vor vielen Jahren erteilt wurde, sei es wichtig, dass die Pläne bezüglich Naturverträglichkeit und Verkehr noch einmal untersucht und gegebenenfalls angepasst werden.

Ähnlich äußert sich Dirk Niehaus, Kreistagsmitglied der Grünen und Landtagskandidat. «Ich bin der Letzte, der sagt, ich bin gegen alles.» Es gehe vielmehr darum, zu prüfen, was noch geht. Ein Punkt ist etwa die Frage, ob mittlerweile ein neuer schützenswerter Wald auf dem Gelände gewachsen ist. Die Grünen im Kreistag wollen am Montag einen Antrag für ein neues Raumordnungsverfahren einbringen. Der Landrat soll bei den zuständigen Landesbehörden ein entsprechendes Verfahren beantragen.

Vom Landkreis heißt es, ihm obliege eine solche Beantragung nicht. Das könne auf Antrag des Investors oder von Amts wegen durch das Land erfolgen. Zu der Notwendigkeit würden weiterhin Gespräche mit dem Land geführt. Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) sieht die Kommunen in der Pflicht: Man würde sich freuen, wenn die kommunale Bauleitplanung Entwicklungen der 20 vergangenen Jahre aufgreife und vor Ort geprüft werde, ob und gegebenenfalls wie Planungen aktualisiert werden sollen oder müssen. Grundsätzlich stimmt Pegel kritische Töne an: «Ich sehe weitere massive Bettenzuwächse auf Rügen kritisch – unabhängig von der Größe des Projekts.»

Planer Krause hält nichts von neuen Plänen: «Diese Bebauungspläne sind unumstößlich in Stein gemeißelt.» Einen gültigen Bebauungsplan könne man nicht einfach aus einer Laune heraus revidieren. Das Projekt bewege sich im Rahmen der geltenden nationalen und EU-Umweltgesetze, die vollständig umgesetzt würden. Mittlerweile gehört zum Projektarbeitstitel auch das Wort «Eco», englisch für ökologisch. Was den Klimaschutz angehe, wolle man sämtliche Register ziehen. Von Geothermie, über Solar- und Windenergie, einer speziellen Abfallwirtschaft bis zur Verwendung vorzugsweise regionaler Produkte.

Bleibt die Frage nach einem Investor. Immer wieder war in der Vergangenheit von Interessenten die Rede. Nach Aussage Krauses gibt es derzeit mehrere konkrete Interessenten. Michael Heese – früher selbst Bürgermeister von Dranske und vor der Wende auf dem Marinestützpunkt stationiert – arbeitet für die Bug GmbH, der das Areal gehört. Zu Investoren könne er wegen Vereinbarungen mit Interessenten keine Aussage treffen.

Vielerorts gibt es Zweifel, ob es tatsächlich Interessenten gibt. Kürzlich hatte etwa Landeswirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) bei einer Veranstaltung gesagt, Debatten wie auf dem Bug sollte man nicht vom Zaun brechen, «wenn man gar keinen richtigen Investor kennt». Bürgermeister Kuhn weiß: «Es gibt keinen unterschriebenen Kaufvertrag.» Denn der müsste auch über seinen Schreibtisch gehen.

Verkehrsstaus wie im Südosten Rügens werde es in Dranske wegen 2000 Gästebetten nicht geben. Er verweist auf andere größere Projekte, etwa in Prora. «17 000 Betten sind da genehmigt worden, da waren die 2000 Betten vom Bug schon viel, viel eher genehmigt.» Wenn man der Meinung sei, dass es zu viele Betten auf Rügen gibt, hätte man seiner Meinung nach etwas eher aufpassen müssen – bei den Projekten, die nach dem Bug genehmigt wurden. (dpa)

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