Home Aktiv Urlaub Benagil-Höhle in Portugal: Mit dem Kajak die faszinierendste Grotte der Algarve erkunden

Benagil-Höhle in Portugal: Mit dem Kajak die faszinierendste Grotte der Algarve erkunden

von Anne von Heydebrand

Abonniere jetzt unseren Urlaubsnews Verteiler und verpasse keine News & Angebote mehr!

Ein Abenteuer an der Algarve: Die prächtige Benagil-Höhle erkunden Urlauber am besten mit einem See-Kajak. Das ist nicht nur schöner als mit dem Motorboot, sondern auch besser für die Umwelt.

Die Anweisungen sind eindeutig. «Versucht bitte, nicht mit anderen Kajaks und Felsen zu kollidieren», sagt Fabio Dias. «Zum links abbiegen müsst ihr rechts paddeln und umgekehrt», führt der Tourguide aus. «Die Person, die hinten sitzt, ist der Kapitän und fürs Steuern zuständig, vorne sitzt der Boss und gibt Befehle.»

Die Algarve ist für ihre zerklüftete Steilküste mit einmaligen, farbenprächtigen Felsformationen bekannt. Zwischen Albufeira und Portimão ist ein besonderes Schmuckstück zu finden: die Benagil-Höhle am gleichnamigen Strand. Am sichersten und umweltfreundlichsten erkundet man diese faszinierende Grotte mit einem Kanu oder Kajak.

Über das Wasser zur Höhle

Schon um 8.30 Uhr steht die Sonne an diesem Vormittag so hoch, dass wir uns der dicken Schwimmweste am liebsten direkt wieder entledigen möchten. Doch das lebensrettende Kleidungsstück muss sein.

Sechs Erwachsene und zwei Kinder stehen am Strand von Benagil und lauschen den Anweisungen des Guides. Danach platziert Fabio Dias seine Kapitäne und Bosse in den Kanus und zieht diese nacheinander über den Strand. Mit einem letzten Schubs geht es schließlich in die türkis-blauen Fluten, die heute zum Glück einigermaßen sanft am Ufer aufschlagen. Bei stärkerem Wellengang ist die Tour nicht möglich.

Nur ein paar Paddelstöße braucht es, bis die Teams sich halbwegs eingespielt haben. Dann ist nach wenigen Hundert Metern in Richtung Osten auch schon der Eingang der Algar de Benagil erreicht, auch «Kathedrale» genannt. Die Felsformationen muten von außen wie die großen Bögen einer mittelalterlichen Kirche an.

Im Inneren der glockenförmigen Höhle ist es angenehm kühl und überraschend hell. Licht dringt hier nicht nur durch den Meereszugang ein, sondern auch durch ein riesiges Loch in der Höhlendecke 20 Meter über den Besuchern. Es wird auch als «Auge» bezeichnet

«Die Entstehungsgeschichte der Höhle geht etwa 20 Millionen Jahre zurück», erklärt Fabio Dias. Im Laufe der Jahrtausende sei der Meeresspiegel gesunken, während die Klippen gleichzeitig nach oben rückten. Der Wind, der Regen im Winter sowie Hitze und Trockenheit im Sommer hätten ihr Übriges dazu beigetragen, die Schichten aus Lehm und Kalksandstein im Inneren der Höhle langsam abzutragen. Irgendwann sei die Decke dann eingebrochen.

Einblicke von unten und oben

Judith und Rick aus den Niederlanden nehmen mit ihrer fünf Jahre alten Tochter Ruby und dem gerade drei Jahre alten Pip an der Kanutour teil. Sie erzählen, dass sie am Vortag schon von oben durch das «Auge» in die Höhle schauen konnten. Wirklich nahe kommt man aber nicht heran, weil das Loch aus Sicherheitsgründen abgesperrt ist.

Oberhalb der Klippen führt allerdings ein Wanderweg vorbei, über den man das nächste Örtchen Carvoeiro erreicht. «Der Weg ist total beeindruckend», sagt Familienvater Rick. «Ich kann gar nicht sagen, ob die Küste von oben oder von hier unten aus schöner aussieht. Aber es ist definitiv toll, diesen Perspektivwechsel zu haben.»

Wir bewundern das Licht- und Schattenspiel in der Höhle, entdecken Fossilien im Gestein und halten nach Felsentauben, Falken und Seemöwen Ausschau. Die Vögel sollen hier leben, nisten und brüten.

Die Gezeiten muss man kennen

Da legen ein paar weitere Abenteurer mit aufblasbaren Leih-Kanus am Sandstrand der Höhle an. Fabio Dias beäugt die Gruppe kritisch. «Ohne Guide herzukommen kann echt gefährlich sein. Wenn man die Gezeiten nicht im Blick hat, kann es passieren, dass man hier ohne Hilfe nicht mehr herauskommt», sagt er.

Noch schlimmer sei es, wenn Leute versuchten, selbst in die Höhle zu schwimmen. Erst kürzlich habe er einem verzweifelten Schwimmer wieder ans Ufer geholfen und dafür kurzerhand drei seiner Gäste in ein Kajak verfrachten müssen. Als Jugendlicher sei er allerdings auch hier herein geschwommen, gibt der heute 34-Jährige zu. Damals habe er mit Cousins und Freunden öfters hier übernachtet.

Dias deutet ans hintere Ende der Höhle, wo die abgesenkte Wand eine Art Felsenzelt bildet. Damals habe es kaum Tourismus geben. Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Wir hätten Glück, sagt der Guide, dass wir den Benagil-Höhle an diesem Morgen so menschenleer zu Gesicht bekämen. In der Hochsaison kämen am Tag bis zu 300 Touristen, zumindest war das vor der Pandemie so.

Das Problem mit den Motorbooten

Der Großteil der Touristen komme nicht per Kanu zur Höhle, sondern wählt Touren mit motorisierten Booten. Jedes Boot komme im Juli und August dann bis zu acht Mal am Tag. «Der Lärm stresst die Vögel, und insgesamt sind die Motorboote schlecht für die Umwelt», findet Dias. Ein Ölfilm, der sich im Sommer auf dem Meer bilde, sei dafür Beweis genug. Während des Lockdowns sei dieser komplett verschwunden.

Die Kajaks haben noch einen weiteren Vorteil: Sie kommen an Orte, die die Motorboote nicht erreichen können. Fabio Dias möchte uns einen von ihnen zeigen. Wir steigen wieder in unsere Nussschalen aus Kunststoff, gehen zum etwas sportlicheren Teil der Tour über und paddeln die Küste weiter in Richtung Osten entlang.

Ein Strand für Romantiker

Es geht vorbei am Praia da Corredoura, den die Anwohnerinnen und Anwohner auch als «Lovers Beach» bezeichnen. Keine Treppe und kein Weg führt von oben hinunter. Wer über das Wasser hingelangt, kann am Strand mit einer Flasche Wein ungestört den Sonnenuntergang genießen.

Wir haben aber keine Zeit für Romantik und steuern unser nächstes Ziel an: die sogenannte Höhle des Krokodils. Dias scherzt, dass ein Reptil darin wohne, klärt dann aber auf, dass die Höhle ihren Namen einer länglichen Felsformation verdanke, die oben über dem Eingang liegt. Mit etwas Fantasie gleicht sie tatsächlich einem Krokodil.

Dias rudert zuerst hinein, um zu prüfen, ob Wellengang und Wasserstand unproblematisch sind. Es soll sich schließlich niemand den Kopf stoßen. «Falls ich in einer Minute nicht zurück bin, holt ihr bitte Hilfe», schallt es lachend aus dem Tunnel. Kurz darauf ist der Guide zurück und gibt grünes Licht. Kajak für Kajak dürfen wir nun durch den engen Tunnel in das Innere rudern. Es ist viel dunkler als in der Benagil-Höhle, weil die Decke geschlossen ist.

Wächter aus Stein

Zurück im Tageslicht steuern wir den Praia da Marinha an. Wächter dieses preisgekrönten Strandes ist ein Elefant, der sich an der westlichen Seite der Bucht auftürmt und seinen riesigen Felsenrüssel ins Wasser taucht. Und da ist «King Kong», ein Felsbrocken, der einem Affen gleicht. Alle zücken ihre Kameras und Smartphones. Doch Vorsicht: Es wäre nicht das erste Mal, dass Fabio Dias einem sinkenden Handy hinterher tauchen muss. Zum Glück geht alles gut aus.

Nach zweieinhalb Stunden erreichen wir mit intakten Elektrogeräten und schmerzenden Armen wieder sicher den Strand von Benagil. Ob es ihm nicht langweilig werde, immer dieselbe Tour zu fahren, fragen wir Fabio Dias zum Abschluss.

«Auf gar keinen Fall», erklärt der Tourguide. «Früher habe ich als Webentwickler in einem Büro gearbeitet, das war langweilig. Heute habe ich das Glück, zweimal täglich aufs Meer zu rudern. Manchmal mache ich nach Feierabend sogar noch eine dritte Tour nur für mich allein.» (dpa)

Das könnte auch interessant sein

Wir verwenden Cookies um die Seite für unsere Leser immer weiter zu verbessern. Danke ist okay mehr lesen