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Wildes Zelten: Camping im Schwarzwald

von Marc Schnerr

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Mit zehn Kilo Expeditionsausrüstung und Trinkwasservorrat auf dem Rücken fällt man in Baden-Badens Innenstadt auf. Hier gibt es Aperol Spritz, Torten und Schnecken mit Kräuterbutter. Backpacker und Wanderer eher nicht.

Aber was soll man machen? Hier ist der zentrale Bus-Umsteigepunkt – und der Gourmet-Radius ist, das wird schnell klar, überschaubar.

Der Bus fährt aus dem Zentrum keine 20 Minuten zum Rand des Stadtwalds im Ortsteil Malschbach. Dort, wo die Schwarzwaldhochstraße verläuft, ragt der Mischwald in den Himmel.

Hier also soll das Trekking-Abenteuer beginnen. Denn im Schwarzwald darf man das, was sonst in Deutschland fast nirgendwo erlaubt ist: Camping mitten im Wald. In Trekking-Camps. Acht davon gibt es im Nordschwarzwald, fünf weitere im Südschwarzwald.

Wandern in der Hitze und die Frage: Wie lange noch?

Von Malschbach aus sind es nur 1,5 Kilometer zum Geroldsauer Wasserfall. Hier beginnt der Aufstieg und nach einer halben Stunde hat man die Tagesausflügler hinter sich gelassen. Es ist schlagartig unglaublich ruhig.

Das Wandern in der Hitze strengt an, aber es wird deutlich kühler mit jedem weiteren der heute zu bewältigenden 420 Höhenmeter. Zottelige Highland-Rinder ruhen sich unter Bäumen nahe einem Bach aus.

Die Offline-Karten-App kommt regelmäßig zum Einsatz, um zwei Fragen zu beantworten: Wo genau ist das Camp denn nun – und wie lang dauert es noch? Auf den letzten Metern wird es anstrengend. Der steile Weg lässt sich allerhöchstens erahnen, das Gras ist hochgewachsen. Die Zeckenprophylaxe, so viel ist sicher, hat sich gelohnt.

Angekommen im Camp – drei laubfreie Kreise zum Schlafen

Schließlich sagt die App nach zwei Stunden Wanderei überraschend, dass wir im Camp Grimbach angekommen seien. Also, das «Camp»: Das sind drei zu erahnende laubfreie Kreise in großen Abständen zwischen Bäumen. Etwas abseits eine Holzhütte – das ist die Toilette.

Und wieder ein Stück weiter eine Feuerstelle mit steinernem Sitzmobiliar und einem fachmännisch angebrachten Schild: Feuer verboten. Waldbrandgefahr. Das war’s.

Ohne die exakten Koordinaten wäre das Camp nicht zu finden gewesen. Spaziergänger kommen hier mit Sicherheit nicht vorbei. Wildnisfaktor: mehr als zufriedenstellend. Vögel zwitschern, immer wieder raschelt es während des Zeltaufbaus im Laub. Die verschwitzten Klamotten lassen sich praktischerweise an Ästen aufhängen.

Gästebuch mit Unterhaltungsfaktor

Wir haben mehr Glück mit dem Wetter als unsere Vorgänger, das lässt sich dem kleinen schwarzen Camp-Gästebuch entnehmen. Die Nachrichten da drin stehen Google-Rezensionen in nichts nach: «Es war schön, aber kalt», «Etwas ungepflegt», «Unschön: Das Klopapier war von Mäusen angefressen». Frech. Wer kein Buch dabei hat, kann sich mit dem Gästebuch gut unterhalten.

Das Picknick vor Waldkulisse schmeckt wie ein Sterne-Menü. Stolz auf die bodenständige Brotzeit dämpfen nur unsere Zeltnachbarn etwas die Stimmung. Sie berichten im Stil eines Haushaltsgerätevertreters von ihrem extra mitgebrachten Espresso-Aufsatz für den Gaskocher. Ja, Verzicht ist schön, aber die Versuchung, sie lauert überall.

Camps sind Wochen vorher ausgebucht

Drei Parteien mit jeweils einem Zelt lässt die Verwaltung des Naturparks Schwarzwald zeitgleich zu. Pro Übernachtung zwölf Euro – pro Zelt. Maximal drei Personen sind darin erlaubt. Das Konzept kommt gut an. Die Camps sind oft Wochen vorher ausgebucht.

Bis zu neun Personen können also in einem Camp sein. Das scheint nicht viel, die Fluchtmöglichkeiten sind aber auch stark begrenzt. Heißt: Wer die Ruhe sucht, sollte auf schweigsame Mitcamper hoffen. Ansonsten bleibt nur eine Möglichkeit: Rückzug ins Zelt.

Dringende Empfehlung: Weiche Isomatte(n) mitnehmen, denn der Boden ist hart. Sehr hart. Die Nacht ist ruhig, die Stille des Waldes beeindruckend. Der Sternenhimmel überwältigend.

Keine Frage, die Espresso-Vorrichtung hat ihren Dienst getan: Alle Mitcamper sind am nächsten Morgen bereits spurlos verschwunden, als auch wir uns entschließen, weiterzuziehen.

Wasservorräte am Anschlag – und ein Gefühl von Provence

Zermürbend: Wieder geht es den Berg hoch. Schon nach einer halben Stunde ist ein Liter weggetrunken. Die Wasservorräte (drei Liter pro Person) gehen langsam zuneige. Aber dann ist ein Hochplateau erreicht und es geht nur noch bergab. Blüten säumen den Wegesrand. Das Gefühl ist eher Provence als Schwarzwald.

Nach rund eineinhalb Stunden ist das erste Tagesetappenziel erreicht: der Mehliskopf. Im Winter kann man hier Ski fahren, im Sommer rodeln und im Hochseilgarten klettern. Wir kehren ein, in eine kleine Hütte am Fuß des Berges. Das Mittagessen schmeckt und die Getränke sind kühl. Den schweren Rucksack abzustellen und ein paar Mal zu rodeln, tut gut. Dann geht es weiter.

Trampelpfade führen durch den Wald, eine rastende Kröte hat sich auf einem Farn platziert, kurz geht es über die Bundesstraße, dann wieder durch den Wald, bis es schließlich wieder deutlich lebhafter wird. An der Schwarzenbachtalsperre gleiten Kinder in SUPs, auf denen man im Stehen (oder bei weniger ausgeprägtem Gleichgewichtsgefühl auch im Sitzen) paddelt, über den Stausee.

Einmal, nach zwei weiteren Stunden wandern, kurz in den See abzutauchen, ist ein tolles Gefühl. Jetzt sind es nur noch ein paar Meter bis zum heutigen Camp. Wieder geht es durch den Wald. Wieder keine Chance, das Camp ohne die korrekten Koordinaten zu finden. Keiner verirrt sich aus Versehen hierhin.

Diesmal ist das Camp eine kleine Lichtung, ein altes Kreuz erinnert daran, dass es mal ein Kirchenzeltplatz gewesen ist. Wieder eine Öko-Toilette und eine (gesperrte) Feuerstelle. Nebenan ein Bach. 

WLAN an der Talsperre und Feenwelten im Camp

So abgeschieden wie das erste Camp liegt das Camp Schwarzenbach nicht. Nach etwa 20 Minuten ist man zu Fuß an der Talsperre und steht vor einer gigantischen Mauer, die Teil eines Pumpspeicherkraftwerks ist. An Info-Tafeln kann man sich über die Anlage informieren. Und, wer von der Abgeschiedenheit genug hat – hier gibt es sogar ein öffentliches WLAN. 

Ein kleiner Kiosk an der Talsperre verkauft Weinschorle, Bier, Eis und Schwarzwald-Souvenirs aller Art. Auf den Holzstühlen lässt sich nach einem anstrengenden Tag der Sonnenuntergang genießen. Für lange Abendunternehmungen fehlt allerdings die Kraft, Wandern und Zelten machen unglaublich müde.

Zurück im Camp (Stirnlampe dringend empfohlen) ist allgemeine Bettgehzeit. Zwei Kinder spielen im Schlafanzug mit Moos, Steinen und Laub, erschaffen Feen- und Elfenwelten. Am nächsten Morgen spielen sie wieder. Das Camp, ein Abenteuerspielplatz.

Kleines Minus: Von der Ferne ist in der stillen Nacht der Straßenverkehr zu hören. Gibt es hier ein Gästebuch?

Das trübe Bachwasser muss reichen

Der Abbau des Zelts geht am zweiten Tag routiniert von der Hand. Schnell werden noch die Wasserflaschen am Bach aufgefüllt und zur Sicherheit mit einer Reinigungstablette versehen. Es ist leicht trüb. Naja, die Tablette wird es richten.

Wieder wartet ein Aufstieg bei mehr als 30 Grad. Vier bis fünf Liter Wasser pro Tag und Person mitzunehmen, empfiehlt der Naturpark auf seiner Packliste. Es mag übertrieben klingen – ist es nicht.

Oben auf dem Badener Sattel bietet eine kleine Hütte Platz für eine kurze Rast und ein zweites Frühstück. Der Körper scheint spätestens jetzt verwundert vom rasanten Kalorienverbrauch und meldet sich quasi pausenlos mit Hunger. Ein paar E-Biker grüßen beim Vorbeifahren. Dann geht es wieder bergab. Noch einmal drei Stunden laufen.

Braun gebrannt oder einfach nur lange nicht geduscht?

Das Ausflugslokal Scherrhof wartet auf halbem Weg mit traditionell badischem Mittagessen. Darf’s ein Flammkuchen sein? Nein, Kassler mit Kartoffelsalat. Gibt es WLAN? Nein. Na gut, konzentrieren wir uns auf das Wesentliche: Es gibt Leitungswasser zum Auffüllen der Flaschen. 

Nach der Pause wird die Hitze minütlich unerträglicher. Die kühlende Funktion des Waldes, man bekommt sie nun eindrucksvoll zu spüren. Je weniger Bäume und je weniger Höhenmeter, desto drückender wird es.

Schließlich ist das Ziel erreicht. Wir sind wieder an der Hochschwarzwaldstraße am Rand Baden-Badens angekommen. Im Biergarten in Geroldsau ist man sichtlich verwundert über zwei angestrengte Wanderinnen – aber auch ein bisschen entzückt. Die georderten Getränke werden eilig gebracht und entschädigen für alles.

Müde und glücklich über die Erfahrung des gar nicht so wilden, aber einsamen Campens im Wald und nach einer Debatte, ob man nun braun gebrannt oder einfach nur dreckig sei, ist die Sehnsucht nach einer ausgiebigen Dusche allerdings kaum mehr auszuhalten. 

Übernachten in Trekking-Camps im Schwarzwald

Anreise: Mit der Bahn beispielsweise nach Baden-Baden oder Freudenstadt, von dort weiter per Bus.

Kosten: Eine Übernachtung in einem der Trekking-Camps im Schwarzwald kostet 12 Euro pro Zelt, inklusive maximal drei Personen.

Saison: Die Camps sind von Mai bis Oktober geöffnet.

Lage: Sie befinden sich alle abseits der Ortschaften, sind nur zu Fuß zu erreichen und verfügen über Stellplätze für bis zu drei Zelte, eine Feuerstelle und ein kleines Toilettenhäuschen.

Buchung: Unter www.trekking-schwarzwald.de. Informationen, wo das Camp und die nächste Wasserstelle genau zu finden sind und was es zu beachten gibt, erhalten Camper nach der Buchung per Mail.

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